Five days away – in UK

Manchester, Mai 2017.

Ich sitze hier auf den Stufen vor einer altenglischen Villa und blicke in einen wunderschönen Garten, der aussieht, als wäre Downton Abbey genau hier gedreht worden. Es ist schon fast dunkel und ich genieße die Ruhe und den letzten Abend, den ich hier verbringen darf.

Am Montag (also vor vier Tagen) bin ich gemeinsam mit meinen Kommilitonen das erste Mal zum Studium nach Manchester geflogen und nun liegt eine Woche Intensivkurs hinter uns.

(Hintergrund: Als ich mich damals entschied, meinen Job zu kündigen und bei der Kirche anzufangen, war eine meiner Bedingungen, dass ich mich gerne weiterbilden möchte. “Zufälligerweise” ergab sich die Möglichkeit eines dualen Studiums und wie ich so bin, hat mein Herz schnell entschieden, dass ich das gerne machen möchte… ohne so richtig zu wissen, was “das” eigentlich ist.
Es stellte sich heraus: Es ist ein Theologie-Studium. Ja, ihr habt richtig gehört. Und zwar nicht nur irgendein Theologie-Studium. Ich bin offizielle Master-Studentin an der University of Manchester. Verrückt, oder?
Wenn mir das jemand vor ein paar Jahren prophezeit hätte… ich hätte wirklich laut gelacht. Nie im Leben. Und jetzt sitze ich hier. In Manchester. Deshalb: Zurück zum Text.)

Wo war ich? Achja – im königlich-englischen Garten. Bis jetzt hatte ich noch gar nicht richtig realisiert, was es eigentlich bedeutet, hier zu studieren und vor allem genau das zu studieren. Die Vorkurse, die noch nachgeholt werden mussten, waren in der Eile des Alltags viel zu schnell vorbei und auch die erste Seminarwoche, die noch in Frankfurt stattfand, zog einfach so vorüber. Und plötzlich stecke ich mittendrin, im ersten Semester, und bin hier in Manchester. Und plötzlich ist sehr deutlich, dass ich Theologie studiere. Und… dass ich es liebe.

Auch wenn ich nicht gedacht hätte, dass mir ein Studium nochmal so viel Spaß machen könnte und ich eigentlich wirklich gerne finanziell woanders wäre – Fakt ist: Diese Woche hier hat alles in einen anderen Blickwinkel gesetzt. Hier zu sein, von Leuten umgeben, die ich wirklich unfassbar gerne habe, und mit ihnen gemeinsam darüber zu sprechen und zu diskutieren, wie Gott sich diese Welt vorstellt, ist unglaublich für mich. Da ist die absolut traumhafte Idylle, die uns auf dem etwas abseits gelegenen Campus der Fakultät erwartet hat, sozusagen “nur” das I-Tüpfelchen auf dem i, die Kirsche oben auf der Sahne, die Crème de la Crème.

Auch wenn ich das Stadtleben, die Menschen und die Schnelllebigkeit der Großstadt liebe, so ist es doch nochmal was ganz anderes, mal ganz woanders zu sein. Five days away – in UK.

Der Campus hat so viele wunderschöne Ecken: In dem (bereits erwähnten) Garten steht mittendrin ein riesiger alter Baum – und an seinem stärksten Ast hängt eine Schaukel. Im hinteren Ende des Gartens gibt es Bienenvölker und ab und zu wandert ein Imker, der aussieht wie ein Außerirdischer, über die Grünfläche (die man übrigens betreten darf). Hinter einem unfassbar großen, blühenden Fliederbusch steht ein kleines Gartenhäuschen und überall gibt es kleine Holzbänke zu entdecken, die zum Verweilen, Gedanken nachhängen und Philosophieren einladen. Mein absoluter Lieblingsort ist ein versteckter Wintergarten, ganz im hinteren Eck des Gartens, der an eine wunderschöne alte Bibliothek angeschlossen ist. Darin saß ich heute Nachmittag und habe mir Gedanken über mein bevorstehendes Essay gemacht – und interessanterweise ein Thema ausgewählt, von dem ich vorher auch nie gedacht hätte, dass ich es wählen und studieren würde.

In den nächsten Tagen und Wochen muss ich mich entscheiden, welchen Schwerpunkt ich für den Studiengang wählen soll und mein Herz (das sich sonst eigentlich so schnell entscheiden kann) ist ganz zerrissen. Ich berichte euch, wenn ich mich entschieden habe.

Und so sitze ich hier – und genieße den letzten Abend, während aus dem Nebenhaus “How great is our God” ertönt. Und das ist ein so perfekter Abschluss für diesen Text, dass ich jetzt auch aufhöre zu schreiben und einfach nur lausche. Gute Nacht!

 

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